|
| Im Reiche des s. Löwen II |
|
|
|
|
|
| |
Vor Gericht
seine Provinzen von so unerfahrenen Leuten regieren ließe. Beweise mir also, wer und was du bist, ehe du verlangst, daß wir auf deine Fragen Antwort geben! So, jetzt bin ich einstweilen fertig. Nun kannst du auch einmal sprechen, bis ich wieder anfange!«
Es herrschte tiefe Stille rund umher. So etwas war diesen Leuten noch niemals vorgekommen. Ein Christ, mehrerer Verbrechen beschuldigt, wagte es, hier vor der Mehkeme und mitten in einer schiitischen Bevölkerung in dieser Weise mit dem höchsten Beamten des Sandschak zu sprechen! Dieser selbst war wie vom Schlag getroffen. Er stotterte einige Worte, welche ich nicht verstand; darum fuhr ich fort:
»Und solltest du trotz alledem der Sandschaki sein, so fordere ich dich auf, mir vor allen Dingen zu sagen, vor was für einem Gericht wir uns befinden. Es ist unser gutes Recht, dies zu erfahren, und wir haben nicht die mindeste Lust, darauf zu verzichten. Ist es ein Scherije (* Geistliches Gericht, aus lauter Muhammedanern bestehend) oder ein Nisamije (* Weltliches Gericht, aus Christen und Muhammedanern zusammengesetzt)? Und wenn es ein Nisamije ist, müssen wir wieder wissen, ob wir ein Hukuk- mehkemeleri (* Zivilgericht), ein Dschesa- mehkemeleri (* Strafgericht) oder ein Tidschavet- mehkemeleri (* Handelsgericht) vor uns haben. Gieb also Antwort! Sprich!«
»Es ist ein Dschesa- rnehkerneleri,« antwortete er so kurz, weil er seine Betroffenheit noch nicht zu überwinden vermochte.
»Also sind die Mitglieder nicht vom Justizminister angestellt, sondern hier von euch selbst gewählt worden. Wer von euch ist ein Christ?«
»Niemand.«
|
|
|
| |
|