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| Im Reiche des s. Löwen II |
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Ein Rätsel
welchem die Runzeln davonlaufen wie die Ameisen, wenn man Tabakwasser in ihre Nester gießt. Aber es ist so sehr weit von uns aus bis hinauf zur Gegend, wo man sie zu suchen hat. Darum war die unvergleichliche Gefährtin meines Erdenlebens ganz entzückt, als sie vernahm, daß du wünschtest, ich solle mit dir nach Persien reiten. Sie erteilte mir die Erlaubnis, dich zu begleiten, sehr gern, stellte mir aber die Bedingung, ihr von der echten Marham ed Dschamahl soviel mitzubringen, wie nötig ist, die unheilvolle Zerknitterung ihres Angesichtes wieder auszuglätten.
»Mir hat sie leider nichts von dieser ihrer Absicht gesagt!«
»Dir? O, Effendi, wie bist du in der Beurteilung eines Harems doch so jung und unerfahren! Wenn Hanneh, die einzige Sonne am Himmel meines Frauenzeltes, wüßte, daß du auch nur eine einzige ihrer Falten gesehen hättest, sie legte sich sofort hin, um vor Scham und Gram zu sterben. Und da meinst du, daß sie mit dir davon hätte reden sollen! Ich will mich dein erbarmen und dir ein Geheimnis, ein sehr großes Haremsgeheimnis mitteilen. Merke dir folgendes genau: je mehr Runzeln eine Frau im Gesichte hat, desto glatter will sie dir erscheinen. Du mußt also, wenn du glücklich bleiben willst, jede Falte, welche deine Dschanneh einst besitzen wird, vor ihr so geheim wie möglich halten. Du darfst sie nicht sehen; du darfst sie nicht einmal ahnen, wenn du verhüten willst, daß die Ruhe und Behaglichkeit deines Zeltes und deines Lebens auch runzelig und zerknittert wird. Ich kenne das, Sihdi; nimm also gute Lehre von mir an! Auch ich will keine Falte mehr sehen; die Salbe soll mir dazu verhelfen; ich kaufe sie für Hanneh und für mich.«
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